Schwierige Gefühle

…davon gibt es eine ganze Menge. Manche stärker, manche schwächer, einige lang anhaltend oder wiederholend, andere nur mal kurz und überraschend. Allen gemein ist, dass wir sie in der Regel nicht gerade freudig und mit offenen Armen empfangen.

Wer ist schon gern wütend, traurig, ängstlich, neidisch, unzufrieden, aggressiv, enttäuscht, angeekelt, verbittert, unsicher oder getrieben, um nur ein paar Möglichkeiten aufzuzählen. Ich persönlich bin viel lieber fröhlich, übermütig, unbeschwert, optimistisch und gelassen.

Was ist jetzt also ein gesunder und sinnvoller Umgang mit den schwierigen Gefühlen, die sich nicht wegdiskutieren und abhalten lassen? Mit Verdrängung, Ablenkung und Widerstand komme ich nicht wirklich weiter oder zumindest nur für eine gewisse Zeit.

Auch hier ist der Ansatz in der Achtsamkeitspraxis ein ähnlicher wie auch beim Umgang mit Stress allgemein: Ich versuche eine Haltung von Akzeptanz und Freundlichkeit mir selbst und auch dem schwierigen Gefühl gegenüber zu kultivieren.

In der Umsetzung heißt das, ich gehe in die Meditation, am besten eine Sitzmeditation in aufrechter und würdevoller Haltung, und richte als erstes, wie immer, die Aufmerksamkeit auf den Atem, dann auf den Körper als Ganzes und wende mich dann dem Gefühl zu.

Ich benenne es, z.B. Trauer wie im letzten Blogbeitrag und gucke dann, wo ich es im Körper spüre. Alle unsere Gefühle finden sich auch in unserem Körper wieder. Trauer sitzt bei mir beispielsweise als massiver Druck auf der Brust und das Atmen fällt mir schwer. Während ich die Körperempfindungen beobachte, werde ich oft durch Gedanken abgelenkt, die das Gefühl loswerden wollen oder auch welche, die es noch verstärken. Manchmal führt das dann auch zu Tränen, was bei jeder Meditation passieren kann und darf.

Wenn ich mit den Körperempfindungen verbunden bin und das Gefühl benannt habe, kann ich verschiedene Fragen stellen: „Was ist das schlimmste an dem Gefühl?“, „Was würde das Gefühl sagen, wenn es sprechen könnte?“ und auch „Was würde mir jetzt wirklich gut tun, wenn das Gefühl da ist?“.

Für mich kommen bei dieser Art mit schwierigen Gefühlen umzugehen immer wieder ganz erstaunliche Erkenntnisse hoch, die mir einfach gut tun.

Es geht also in der Achtsamkeit nicht darum die Gefühle psychotherapeutisch aufzuarbeiten oder weg zu meditieren sondern sie wahrzunehmen, sie zu benennen ohne sie zu bewerten und sie schlussendlich zu akzeptieren. Alles darf da sein.

Nein, ich sage nicht, dass es einfach ist! Aber auf jeden Fall einen Versuch wert!

Ein Zitat von Jon Kabat-Zinn lautet:

„Das Abenteuer Achtsamkeit besteht darin, dass wir sicherstellen, dass das was uns die Welt gibt, nicht unbemerkt bleibt.“

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