Muster und Mitgefühl

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich in meine altbewährten bzw altbekannten Muster verfalle. Denn ob sich diese wirklich bewährt haben, zweifle ich in den meisten Fällen stark an. Allerdings ist mir auch bewusst, dass diese Muster durchaus auch zu etwas gut sind oder auf jeden Fall waren, selbst wenn wir sie heute als belastend und störend empfinden.

Wir haben die meisten in unserer Kindheit erlernt um gut mit bestimmten Situationen und generell in unserem Leben zurecht zu kommen. Heute ist es hingegen so, dass wir manche dieser Muster tatsächlich milde belächeln können, andere hingegen uns regelrecht wütend machen, da sie uns nerven, frustrieren oder ausbremsen.

Ein Beispiel: Ich bin leider nicht mit einer großen Geduld ausgestattet und werde schnell genervt oder sogar unhöflich bis ignorant Menschen gegenüber die sehr langsam erzählen oder die selben Dinge immer wieder zum Besten geben. Damit mache ich mir selbst das Leben schwer, denn die Erzählung wird weder schneller, noch inhaltlich anders, wenn ich gedanklich mit den Fingern auf eine Tischplatte trommle, mich fort träume oder einfach weiterarbeite. Dass mich meine Uhr in diesen Situationen oft daran erinnert, dass „schon eine Minute tief Durchatmen meine Konzentration verbessert“ ist dann auch nicht hilfreich um mich aus meinen Automatismen zu befreien. Außerdem kann ich meiner Uhr ja schlecht erklären, dass meine Konzentration nachlässt, weil ich die Geschichte bereits synchron mitsprechen könnte.

Da ich mich zu der Option ‚Augen (oder Ohren) zu und durch‘ meist nicht durchringen kann, bleiben oft nur noch zwei Richtungen. Entweder ich lasse mir meine Ungeduld anmerken und weise darauf hin, dass ich das bereits mehrfach erzählt bekommen habe, oder ich gerate mit meinem eigenen inneren Kritiker auf Kriegsfuß.

Dann höre ich Sätze wie „Meine Güte nun reiß dich doch mal zusammen und reg dich nicht immer so auf! Sei nicht so ungeduldig! Lass ihn/sie doch erzählen! Was ist denn da so schlimm dran? Vielleicht erzählst du Leuten die selbe Geschichte sogar noch öfter? Du fragst zwar immer ob du das schon erzählt hast, aber vielleicht sagen sie dir nicht die Wahrheit weil sie höflich sein wollen? Das was du überhaupt nicht bist? Nimm dir doch einfach mal die Zeit!“ Ab da lasse ich mich dann Einnorden und schaffe es nur selten diese harte und erbarmungslose Stimme zum Schweigen zu bringen.

Seit einiger Zeit bemühe ich mich, meinen Kritiker zu überzeugen freundlicher mit mir umzugehen. Bisher leider noch wenig erfolgreich. Immerhin lerne ich, zu erkennen, welche Situationen welches Muster hervorrufen um dann möglichst anders als gewohnt zu reagieren. Hilfreich ist es, auch in diesen Momenten, erstmal innezuhalten, ein paar Sekunden den Atem zu beobachten und dadurch die Möglichkeit zu erschaffen, wieder einen Handlungsspielraum jenseits meines Autopiloten zu haben. Wenn mir das gelingt, fühlt es sich großartig an!

Genauso großartig wird es sich anfühlen, wenn mein innerer Nörgler, Meckerbüddel und Dauer-Defizitär-Denker mir Mitgefühl entgegenbringt und mit mir gemeinsam über ein Verhalten aus den alten Mustern heraus schmunzelt und Lösungswege diskutiert, wie es nächstes mal besser laufen kann. Ich werde ihn als Verbündeten gewinnen und dadurch nicht nur beim Thema Geduld, sondern auch bei Ängsten, Perfektionismus und anderen Mustern großzügiger mit mir selbst und dadurch erfolgreicher sein.

Wenn man eine Achtsamkeits-Meditation zum Thema Muster macht, wird danach gefragt, welche es bei einem selbst sind, wann sie erstmals aufgetaucht sind, was sie für einen Nutzen hatten und wie viel Prozent um uns herum wohl das selbe Muster leben. Spätestens da wird mir immer wieder bewusst, dass sich viele von uns mit dieser Thematik herumschlagen, was es nicht ändert aber weniger schlimm erscheinen lässt.

Ich stehe beim Thema Selbstmitgefühl noch ganz am Anfang aber ich freue mich auf die Reise, denn mit mir selbst so liebevoll und fürsorglich umzugehen, wie ich es mit meinen Freunden tue, erscheint mir sehr erstrebenswert.

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