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Stück für Stück….

…. versuche ich mehr Achtsamkeit in mein Leben zu bringen… Mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Wenn ich mir mein Leben als Puzzle vorstelle, dann kann ich schon behaupten, sehr gezielt vorgegangen zu sein. Die vier Ecken hab ich zugeordnet und nach und nach den Rand drumherum geschlossen. Mal hier und mal da Teile zusammengefügt, einiges vom Rand ausgehend, anderes frei in der Mitte liegend.

Ich hab meine Meditationspraxis nach Formen und Farben sortiert und immer mal wieder innegehalten um das Gesamtbild zu betrachten. Hin und wieder hab ich auch alles frustriert beiseite geschoben und das niemals vollendete Werk einige Tage ignoriert.

Vor ein paar Wochen habe ich mich mit meinem Medienkonsum auseinander gesetzt. Netflix zu suchten und im Schnitt drei Stunden pro Tag auf mein Handy zu sehen ist leider überhaupt nicht achtsam.

Doch dann wurde mir, ausgerechnet auf Facebook, Werbung für ein Puzzle angezeigt. Tolle Farben, aus Holz und absolut einzigartig. Ich hab mich verliebt und es bestellt. Mit dem Ziel, statt am großen Puzzle meines Lebens zu arbeiten, fokussiert und im gegenwärtigen Moment etwas Tolles zusammen zu setzen…

So der Plan. Ja, es gibt vieles, das meditativ und achtsam ist. Den Schrank aufräumen, die Natur genießen, Musik zu hören und vielleicht auch ein mandalaähnliches Puzzle zusammenzusetzen.

In diesem Fall habe ich Stück für Stück die Erkenntnis gewonnen, dass aufgeben menschlich ist und dass es Dinge gibt, die zu Zweit oder im Team einfach besser funktionieren. Während ich eher den Blick dafür hatte, wo etwas (so ungefähr) hin kommt, war mein Sohn in der Lage die Teile mit ruhigen Fingern zusammenzufügen.
Zwischendrin war mal der eine, mal der andere ungeduldig und genervt und das Gegenüber in der Lage zu besänftigen.

Am Ende waren wir einfach nur stolz!

Alles ist möglich!

Das neue Jahr ist gerade zwei Tage alt und das alte Jahr noch sehr nah. Vermutlich habt ihr euch, genau wie ich, Zeit genommen um zu reflektieren. Mich persönlich irritiert es wie Viele das vergangene Jahr verflucht haben. Teilweise konnten sie gar nicht schnell genug ins neue Jahr rutschen oder schlittern.

Mein Rückblick hat mir gezeigt, dass ich viele besondere und schöne Momente in 2020 erlebt habe. Ich habe außerdem für mich persönlich vieles geschafft und in Angriff genommen, wozu mir ohne Corona vielleicht die Muße gefehlt hätte.

Natürlich muss ich dazu sagen, dass ich auch niemanden aufgrund von Covid verloren habe und auch nicht selbst erkrankt bin. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Dennoch frage ich mich, wie man seine Ablehnung an einem Jahr, einer Jahreszahl festmachen kann? Es liegt doch auch immer an uns wie wir mit den Gegebenheiten umgehen und was wir aus bestimmten Rahmenbedingungen machen.

Ich freue mich auf 2021 und die Möglichkeiten die jedem Neubeginn innewohnen. Vor allem, freue ich mich dass die Tage endlich wieder länger und heller werden und früh morgens schon wieder vereinzelte Vögel singen.

Alles ist möglich

Bei meinem persönlichen Jahresrückblick haben mir dieses Jahr ein paar Fragen geholfen. So zB. was ich 2020 zum ersten Mal gemacht habe, welche wertvollen Fehler ich gemacht und was ich daraus gelernt habe sowie die Frage, was ich in 2021 bereit bin loszulassen. Wie jedes Jahr war auch mein Glas mit positiven Erlebnissen eines Jahres eine wunderbare Erfahrung, die ich nur jedem empfehlen kann.

Einfach nur schön sich zu erinnern

Jetzt ist das Glas wieder leer und frei für viele neue bunte Zettelchen und mein Bauch erfüllt von Freude und Glück. Ach, da fällt mir ein, dass der gestrige Neujahrsspaziergang mit meiner Familie unbedingt noch auf einem Zettel verewigt werden muss….

Habt ein wunderbares, magisches, achtsames, gesundes und glückliches neues Jahr mit vielen Momenten der Freude, des Lachens und der Unbeschwertheit!

Das Fest der Liebe

24. Dezember, Heiligabend, Zeit für die Familie…. Dieses Jahr ist alles anders und das in meiner Familie nicht mal aufgrund von Corona, wie bei vielen anderen.

Meine Kinder trafen dieses Jahr schon frühzeitig die Entscheidung Weihnachten anders als bisher zu verbringen. Mein Sohn hat keine Lust mehr auf ‚verlogene Patchwork-Familientreffen‘ und meine Tochter will mit Mann und Kindern zumindest den Heiligabend zu viert verbringen. Nachvollziehen kann ich beide Meinungen und ehrlicherweise hätte ich mir damals, als junge Mutter, den Mut gewünscht, allein mit meinen Kindern zu feiern.

Zum allerersten mal in meinem Leben, verbringe ich heute den Heiligabend allein – mit Hund. Das war bei den ersten Gesprächen Mitte des Jahres noch schwer vorstellbar für mich.

Inzwischen haben Lockdown und steigende Coronazahlen dazu geführt, dass auch Kollegen, Nachbarn und Freunde dieses Weihnachten umdenken und umstrukturieren müssen, werden oder sollten.

Seit Wochen höre ich gefühlt nur noch jammern und klagen deswegen und verstehe den Frust und die Unzufriedenheit gar nicht (mehr). Daran merke ich, dass ich einen weiten Weg zurückgelegt habe, mich mit Weihnachten 2020 zu arrangieren. Mittlerweile freue ich mich regelrecht, es mir ganz allein gemütlich zu machen.

Ich sehe inzwischen mehr Vor- als Nachteile und genieße die Freiheiten bzgl Essensauswahl, Weihnachtslieder ja oder nein und das Fehlen von familiären Nicklichkeiten, die die letzten Jahre dauerhaft präsent waren. Allerdings neben viel Lachen und netten Gesprächen, die mir fehlen werden, ebenso wie umarmen und umarmt werden.

Jetzt freue ich mich auf das Fest der Liebe, denn Liebe bedeutet ja nicht zwingend körperliches Beisammensein. Ich weiß, dass mir einige Freunde heute und auch sonst sehr nah sind und dass ich absolut nicht allein bin auch wenn niemand mit mir hier ist. Das ist wunderschön zu wissen und dafür bin ich dankbar.

Ich wünsche allen tolle Weihnachten und ganz viele schöne Momente!

Und es hat Zoom gemacht

Diese Woche hatte ich ein tolles Erlebnis, das ich mit euch teilen möchte. Also ich hatte mehrere tolle Erlebnisse aber heute geht es nur um eines davon.

Ich nutze ja seit längerer Zeit die Balloon-App und finde Dr. Boris Bornemann, Dipl.-Psychologe und Neurowissenschaftler, macht damit einen echt guten Job. Dass er die weltweit größte wissenschaftliche Studie zu Meditation am Max-Planck-Institut mit konzipiert hat, merkt man ihm immer wieder bei seinen geführten Meditationen und seinem Podcast an.

Vor kurzem bekam ich eine Einladung zu einer Ballon Live Session zum Thema ‚Umgang mit Unsicherheit‘. Für einen Freitag um 17.30 Uhr, was wirklich Stress vom zeitlichen Ablauf bedeutete und mich schon wieder nervte,

Also bin ich von der Arbeit nach hause gehetzt und habe mit dem Hund eine Runde im strömenden Regen gedreht. Um 17.29 Uhr bin ich dann atemlos mit dem aufgeklappten Laptop auf die Meditationsmatte geplumpst. Schön ist anders. Schnell den Zoomlink angeklickt und gesehen, dass bereits viele Menschen erwartungsfroh in ihre Kameras blickten.

500 Personen waren zugelassen, wie viele wir tatsächlich waren weiß ich nicht,. Von dem Moment an, als Boris nach der Begrüßung die Session mit einer Minute der Stille begann, spürte ich nur noch das Gefühl von Angekommensein und tiefer Ruhe.

Es war ein wunderbares Erlebnis mit so vielen Gleichgesinnten, die sich an den unterschiedlichsten Orten befanden, zusammen zu sitzen, ein bisschen wissenschaftlichen Input zu erhalten und vor allem, gemeinsam zu meditieren. Und es war großartig festzustellen, dass trotzdem ich mich so abgehetzt hatte und in genervter Stimmung war, augenblicklich das Gefühl „Es ist alles gut, genauso wie es gerade ist“ einsetzte und die innere Zufriedenheit seitdem anhält und sich mit jeder weiteren Meditation vertiefen lässt.

Loslassen lernen und es lieben….

Eigentlich war der Plan, im Kloster bzw von meiner 6 tägigen Klosterauszeit zu bloggen. Eigentlich wollte ich meine Impressionen mit euch teilen. Eigentlich wusste ich nämlich schon in dem Moment als ich im buddhistischen Kloster eintraf, dass es mir unfassbar gut tun würde. So dass ich eigentlich dachte, ich würde für jeden der fünf bzw sechs Tage einen Blogbeitrag erstellen.

Ohne es mir vorgenommen zu haben, wurde meine Planung, wie die Tage verlaufen sollten oder könnten nebensächlich.. Sie waren zwar immer mal wieder präsent: lange Spaziergänge im Odenwald, so viel wie möglich in den sechs mitgenommen Büchern lesen, am Klosterleben teilnehmen, besonders im Bezug auf die Meditationen, Klosterangebote und QiGong, aber der echte Ablauf ergab sich dann von allein.

Im Moment des Ankommens schwappte eine Welle der Ruhe und Gelassenheit über mich hinweg, die dazu führte, dass ich es zuließ, loszulassen, nicht an den möglichen Tagesabläufen anzuhaften, sondern jederzeit im Moment zu verweilen und spontan zu entscheiden, wonach mir gerade war.

So begann mein Tag dann nicht mit einer einstündigen Meditation in der Buddhahalle, angeleitet von einer Nonne, sondern ganz entspannt um viertel vor sieben mit dem Ausrollen der Yogamatte und meinem Meditationskissen, draußen im Garten des Klosters. Mit Vogelgezwitscher, knistern und knacken um mich herum und dem Sonnenaufgang der auch hinter geschlossenen Augenlidern wahrnehmbar war.. Einfach nur schön.

Nach dem Frühstück das größtenteils in Stille stattfand, ging es dann täglich um 9.00 Uhr mit QiGong weiter. Das war so wohltuend für Körper und Geist, dass ich mir erneut vornahm das auch Zuhause unbedingt beizubehalten. Durch die Bewegungsübungen in Kombination mit Atem und Meditation eine so wunderbare Art den Tag zu bereichern, dass alle Teilnehmer einfach nur erfüllt und zufrieden waren. Das es draußen im Garten stattfand und man im Laufe der Woche den nahenden Herbst spüren und riechen konnte, machte es noch runder.

Danach waren es dann schon wieder nur noch knapp zwei Stunden bis zum Mittagessen, so dass es sich kaum lohnte ein Buch aus dem Zimmer zu holen. Der Austausch mit anderen und/oder einfach nur auf der Wiese sitzen/liegen und vor sich hin träumen, philosophieren, atmen, spüren, lauschen, riechen und ganz präsent im gegenwärtigen Moment zu sein waren viel wichtiger…

Mich erreicht gerade wieder dieses wunderbare warme, ruhige Gefühl beim Schreiben und ich werde jetzt lieber ein paar QiGong und Yogaübungen machen und ein anderes Mal mehr berichten…..

Achtsame Urlaubsvorbereitung?

Wenn man jemand ist, der unbedingt an alles denken will und alles durchgeplant haben möchte, dann ist es schon schwierig bei der Planung und Vorbereitung auch achtsam zu bleiben. Stets bemüht ist zwar schon ein richtiger Schritt, doch so richtig erfolgreich dann doch nicht.

Dank diverser coronabedingter Veränderungen im Ablauf am Urlaubsziel ist es ohnehin schwierig und auch mehr mitzubringen. So habe ich das eigene Meditationskissen, die eigene Matte und natürlich Masken einzupacken.

Ich habe Listen für die Zeit bis zum Urlaub, Listen für den Tag vor der Abreise und Listen für die Dinge die ich mitnehmen muss. Ich habe sogar schon eine Liste für den Einkauf und Organisatorisches nach der Rückkehr… Nein, ich wandere nicht aus und bin auch nicht lange weg…

Nebenbei atme ich tatsächlich regelmäßig, allerdings von ganz allein, ohne es mir bewusst zu machen. Ohne mich in der Gegenwart aufzuhalten und aufkommende Gedanken einfach nur mit dem Label „Zukunft“ auszustatten, halte ich mich permanent dort auf..

Vorfreude ist etwas sehr Schönes, wie ich finde, dennoch sollte es sich vielleicht auf den Blick auf die Wetter-App vom Urlaubsort beschränken oder auf die Homepage der Unterkunft. Mein Katastrophendenken, im Stau stecken zu bleiben und nicht zur Toilette zu können, erwähne ich jetzt auch gar nicht erst!

Ich bin gespannt, wie viele Dinge ich unbenutzt wieder mit nach Hause bringe und über wie viele Dinge ich mir mal wieder vergebens den Kopf zerbrochen habe. Doch jetzt gehe ich erstmal auf die Matte und schaue auf meine Gefühle und wie ich sie benennen kann… ich glaube „prickelnde Vorfreude“ passt ganz gut!

Kreisendes Gedankenkarussell

Herausfordernde Gedanken – gedankliche Herausforderungen
familiäre Verstrickungen – Fallstricke in Familien
Muttersein – Mutter sein
Mutterliebe – liebe Mutter?
enttäuschte Erwartungen – erwartete Enttäuschungen
verpflichtende Forderungen – fordernde Verpflichtungen
seelische Kränkungen – gekränkte Seele
verletzende Tiefe – tiefe Verletzungen
Wunden bewirken Weigerung
Schuldgefühle trotz Schmerz
Mutter und Großmutter sein aber auch:
Tochter – lebenslang

So kann es aussehen wenn in einer Meditation die Gedanken sein dürfen und lediglich angeschaut und nicht bewertet werden.


Metta-Meditation

oder:
wie man Leuten die man doof findet Gutes wünscht….

Die Metta Meditation wird auch Meditation der liebenden Güte genannt. Hierbei geht es darum allen fühlenden Lebewesen gegenüber eine freundlich-wohlwollende Haltung einzunehmen.

Allen fühlenden Lebewesen gegenüber, dazu zählt also nicht nur mein Hund, meine Kinder, meine Freunde, sondern auch jede Mücke und Spinne… Ebenso wie der nervige Nachbar, die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt oder jemand der mich wirklich geärgert oder verletzt hat. Zu guter letzt zähle auch ich selbst mit dazu.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass diese Form der Meditation eine Menge an Übung erfordert und auch nicht immer gleich gut funktioniert. Was aber sicher ist, sie tut richtig, richtig gut. Es lohnt sich also es zu versuchen!

Man beginnt wie immer mit einer aufrechten und würdevollen Sitzhaltung. Zuerst konzentrieren wir uns auf die Körperempfindungen, indem wir einmal von Kopf bis Fuß durch den Körper wandern, dann auf unseren Atem. Nach dem Loslassen der Anspannungen z.B. im Kiefer, Nacken oder Rückenbereich, versuchen wir uns mit unserem Herzen zu verbinden. Manchmal hilft es, dafür die Hand auf unser Herz zu legen.

Als erstes sprechen wir uns selbst Herzenswünsche im Stillen zu. Was für viele Menschen gut funktioniert sind die Sätze: „Möge ich glücklich sein“ „Möge ich sicher und beschützt sein“ Möge ich gesund sein“ „Möge ich unbeschwert leben“, diese Wünsche sind uns allen ziemlich wichtig. Jeder merkt selbst welche Formulierung für ihn richtig und passend ist.

Im Anschluss daran denken wir an ein Lebewesen, dass wir sehr gern haben und wünschen diesem ebenfalls die o.g. Sätze. „Mögest du glücklich sein“ usw. Danach weiten wir die Wünsche auf Freunde und Familienangehörige aus.

Und dann kommt die erste echte Herausforderung: wir stellen uns jemanden vor, mit dem wir uns schwer tun, jemand dem wir mit Antipathie oder sogar Aversionen begegnen. Hier spreche ich allerdings noch nicht von jemandem den wir wirklich ablehnen oder gar hassen. Diese Person kommt im nächsten Schritt. Ihr Gutes zu wünschen ist manchmal sehr schwierig, doch auch eine Chance uns von Kränkungen und Verletzungen zu lösen und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Theoretisch bezieht man dann im letzten Abschnitt alle Lebewesen im Umfeld und auf dem gesamten Planeten. mit ein. Mir persönlich ist das oft zu abstrakt und die Gefühle von Freude und – ja, tatsächlich – Wohlwollen und Erleichterung, die sich im Laufe der Metta-Meditation bereits eingestellt haben, lassen mich oft einfach in Stille verharren und dann die Übung dankbar beenden.

Da alle Schritte zu absolvieren auch sehr zeitintensiv ist (ca 30 – 45 Minuten) kann man auch nur einzelne Teile daraus für sich wählen. Ich fand es anfangs sehr schwer, mir selbst Gutes zu wünschen. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist es wie beim Flugzeugabsturz, erst setze ich mir die Sauerstoffmaske auf und dann helfe ich andere zu versorgen. Wenn ich mir selbst gegenüber freundlich bin, bin ich es auch anderen Menschen gegenüber. Vielleicht ist deshalb mein Lieblingswunsch: „Möge ich großzügiger mit mir selbst und anderen sein.“

Natürlich freue ich wie immer sehr wenn Ihr mir Eure Gedanken oder persönlichen Erfahrung, Favoriten oder anderes mitteilen mögt!
In diesem Sinne. „Mögen wir alle glücklich sein!“

Naturereignisse oder Katastrophen?

Gedanken sind Ereignisse, die in uns geschehen. Wenn wir sie nur als solche ansehen, anstatt uns überrollen und mitreissen zu lassen, dürfte das unser Leben einfacher machen.

Ein Ereignis, das nur passiert, welches wir betrachten, zusehen wie es sich verändert und dann irgendwann verschwindet, ohne darauf anzuspringen und eine Gedankenkaskade zu erschaffen, die uns oft nur auslaugt und erschöpft, ohne uns in irgendeiner Form weiter zu bringen. Die Erkenntnis, dass nicht alles was wir denken auch wahr und real ist, kann für zusätzliche Entlastung und Entspannung sorgen.

Ich weiß das alles, denn ich befasse mich ja schon ein wenig länger damit. Mein Achtsamkeitsmuskel wird regelmäßig trainiert und gefordert. Um so mehr frustriert mich meine aktuelle Situation.

Meine Gedanken gleichen seit etwa zwei Wochen, sobald ich mich auf Matte und Meditationskissen niederlasse, einem Hagelschauer mit Windstärke 9. Die Hagelkörner prasseln auf mich ein und hinterlassen dabei in meinem Kopf/Hirn golfballgroße Dellen. Derweil ist die Stimme der geführten Meditation im Hintergrund kaum vernehmbar so dass ich auch der Meditation nicht folgen kann. Wenn dann der Gong ertönt, der das Ende der Meditation einläutet, merke ich dass mein Kiefer fest ist, ich frustriert bin und mich auch matt statt erfrischt fühle. Das irritiert mich sehr.

Der Versuch darauf gelassen zu reagieren, während der 30 minütigen Meditation alle Naturkatastrophen anzunehmen und den Rest des Tages meine Gedanken aus der Distanz heraus zu betrachten, funktioniert auch nicht so richtig, bzw. eher gar nicht.

Mir bleibt demnach nur, dran zu bleiben, weiter zu üben, zu akzeptieren, wie es sich derzeit mit meinen Naturereignissen oder Katastrophen verhält und das Ganze mit einem Lächeln geschehen zu lassen. „Ah, da prasselt er wieder heran der Gedanken-Hagel, gucken wir doch mal ob etwas interessantes dabei ist.“ Frei nach dem Motto: „Wird das noch gebraucht oder kann das weg?“.

Gezielter Aufbau des Achtsamkeitsmuskels

Achtsamkeit bedeutet, mit allem das ist, freundlich und wohlwollend zu sein. Das klingt soo schön und fällt mir soo schwer. Der immer gern genommene und immer ungern bekommene Satz „Sie war stets bemüht!“ drängt sich mir da öfter mal auf.

Ich trainiere meinen Achtsamkeitsmuskel ziemlich regelmäßig. Ohne ein Minimum von 20 Minuten Meditation, jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen, geht es nicht mehr. Das möchte und das brauche ich so. Während des Tages kommen dann verschiedene Momente der Achtsamkeit dazu. Doch während ich diesen Absatz schreibe, springt der Gedanke: „Aber du machst nie Yogaübungen!“ in den Vordergrund und es erübrigt sich zu erwähnen, dass der Tonfall sehr vorwurfsvoll klingt. Für noch mehr Nachdruck folgt dann: „Du gehst wegen Corona seit drei Monaten nicht ins Fitnessstudio und trotzdem weigerst du dich die Übungen aus den MBSR-Kursen zu praktizieren. Das sind nur 45 Minuten! Und nun wirklich nicht schwer… obwohl du ja doch immer ganz schön um dein Gleichgewicht gekämpft hast, als du das anfangs mal gemacht hast…“

Und damit bin ich mitten drin im Automatismus der (ver-)urteilenden Gedanken in unfreundlicher und absolut nicht wohlwollender Art. Das Paradoxe: ausgerechnet durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Achtsamkeit ist mein altes Muster geweckt und der Autopilot aktiviert worden, obwohl genau das ja verhindert werden soll?
Über Achtsamkeit zu schreiben, bedeutet eben nicht gleichzeitig auch achtsam zu sein.
Offensichtlich brauche ich noch eine Menge Training und vor allem möchte ich lernen, mir selbst gegenüber deutlich weniger hart und streng zu sein.

Positiv ist, dass es mir heute viel schneller bewusst wird, wenn mir der Autopilot das Steuer entreisst oder zu entreissen versucht.
Positiv ist, dass mich das inzwischen immer seltener verzweifeln und häufiger schmunzeln oder lachen lässt.
Positiv ist, dass ich Lust zum Üben und Verinnerlichen habe.
Und es ist positiv, dass ich den Weg sehen kann, den ich in meinem ersten Jahr mit Jon Kabat-Zinn gegangen bin und dass es hier atemberaubende Ausblicke und Erfahrungen gab.

Insofern werde ich unermüdlich und „stets bemüht“ diesen Weg weitergehen, manchmal über Stock und Stein stolpern, mich an der Aussicht in alle Richtungen erfreuen und dabei den Boden unter meinen Füßen ganz bewusst wahrnehmen. Ach und an den Pflanzen und Blumen schnuppern, die Borke eines Baumes betasten und – so wie es aussieht – die Regentropfen auf mein Gesicht fallen lassen… ganz wohlwollend!